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Rund um die Behandlung von Krebs bei Haustieren kursieren viele Mythen und Missverständnisse. Das Beispiel von Riesenschnauzer «Mannix» zeigt: Es gibt heute erfolgsversprechende Therapien.

 

Mit freudigem Schwanzwedeln begrüsst mich «Mannix», als ich das Sprechzimmer betrete. Nichts deutet darauf hin, dass beim siebenjährigen Riesenschnauzer vor fünf Monaten Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert wurde. Heute kommt er zum 16. und letzten Mal für die Chemotherapie zu uns in die Tierklinik Aarau West. Dank der Therapie geht es «Mannix» heute blendend. Das war nicht immer so.

 

Fluch und Segen zugleich

Es gibt eine ganze Reihe von Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs; darunter Chirurgie, Bestrahlung, Chemotherapie sowie palliative und unterstützende Pflege. Ist von Krebstherapie die Rede, denken die meisten Menschen reflexartig an den Begriff «Chemo.» In der Humanmedizin wird die Chemotherapie seit rund sechzig Jahren eingesetzt. Sie ist Fluch und Segen zugleich. Ohne sie wären viele Krebspatienten nicht zu retten; dennoch sind die starken Nebenwirkungen der meisten Chemotherapeutika berüchtigt. Unsere tierischen Krebspatienten erhalten wie der Mensch sogenannte Zytostatika. Das sind Zellgifte, die besonders auf Zellen wirken, die sich schnell teilen. Das Besondere an Krebszellen ist genau diese häufige Zellteilung, die zu einem raschen Wachstum des Krebs führt. Die verabreichten Zellgifte wirken jedoch nicht nur auf die Krebszellen. Beeinträchtigt werden auch alle anderen Zellen, die sich schnell teilen. Dazu gehören die Zellen im Knochenmark, welche der Blutbildung dienen; die Haarfollikel beim Mensch und die Darmschleimhautzellen. Typische Nebenwirkungen vieler Zytostatika sind beim Menschen daher vorübergehende Schädigungen der Blutzellbildung, Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen.

 

Weniger Nebenwirkungen als befürchtet

Die meisten Tierhalter sind daher überrascht, dass Hunde und Katzen selten Nebenwirkungen von Chemotherapien zeigen. Entgegen der landläufigen Meinung vertragen Tiere die Behandlung sehr viel besser als angenommen. Mehr noch: Die meisten Hunde und Katzen fühlen sich während der Behandlung gut, wenn nicht – so wie «Mannix» – sogar sehr gut. Nach meiner Erfahrung hat die Mehrheit der Haustiere, etwa 80 Prozent, keine Nebenwirkungen – und nur 15 bis 20 Prozent sind leicht bis mittelschwer betroffen. Schwerwiegende Komplikationen (wie Appetitlosigkeit, Dehydratation, Erbrechen und Durchfall) treten bei weniger als fünf Prozent der Patienten auf. Diese müssen unter Umständen zur Behandlung von Dehydrierung, Infektionen oder Sepsis (Blutvergiftung) stationär in der Tierklinik behandelt werden.

 

Haarausfall ist selten

Die Besitzer sind auch erleichtert, wenn sie erfahren, dass die meisten Haustiere ihr Fell nicht verlieren. Alopezie (Haarausfall) tritt auf, weil Chemotherapeutika alle sich schnell teilenden Zellen, einschliesslich der Haarfollikel, angreifen. Bei Hunderassen mit einem ständig wachsenden Fell, wie beispielsweise Pudel, Scottish Terrier und West Highland White Terrier, kann es jedoch wie beim Menschen zu Haarausfall kommen. Bei Katzen ist Alopezie selten, aber sie können ihre Schnurrhaare verlieren. Im Gegensatz zu uns Menschen kümmern sich die Haustiere nicht um diese kosmetischen Nebenwirkungen, die ja, abgesehen davon, die Lebensqualität nicht beeinträchtigen.

 

Der psychologische Aspekt fällt weg

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der veterinärmedizinischen Onkologie ist die Tatsache, dass die Patienten nicht wissen, dass sie Krebs haben. Natürlich empfinden auch Hunde und Katzen Schmerzen und fühlen sich nicht gerne unwohl, aber im Gegensatz zum Menschen haben Haustiere nicht mit dem psychologischen Aspekt von Krebs zu kämpfen. Haustiere leben im Moment, und ich denke, dass in solchen Situationen Unwissenheit ein Segen ist.

 

Kein verbindlicher Vertrag

Eine Krebsbehandlung ist kein verbindlicher Vertrag. Wir ermutigen unsere Kunden, die eine Chemotherapie in Erwägung ziehen, eine bis zwei Behandlungen machen zu lassen, um zu sehen, wie das Tier darauf reagiert. Die meisten Kunden sind dann so zufrieden, dass sie die Behandlung fortsetzen wollen, und wir können die Dosis und Medikamente entsprechend anpassen, damit die Lebensqualität während der Behandlung gewährleistet ist. Sehr oft berichten Kunden, dass ihre Haustiere, die sich einer Chemotherapie unterziehen, mehr Energie haben als vor sechs Monaten oder einem Jahr – also bevor sie an Krebs erkrankten und bevor sie die Chemotherapie starteten. Ich denke, das ist ein Beweis dafür, wie gut es den meisten Haustieren während und nach einer Chemotherapie geht. Heutzutage gibt es Optionen für krebskranke Haustiere, sogar für solche mit fortgeschrittenem, metastasiertem Krebs. Zu diesen Möglichkeiten gehören neue therapeutische Verfahren und ein palliativer Behandlungsansatz. Fazit: Krebs ist heute nicht mehr zwingend ein Todesurteil.

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