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Wenn das Meerschweinchen Zahnweh hat

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Zahnerkrankungen kommen auch bei kleinen Heimtieren wie Meerschweinchen und Kaninchen vor. Vorbeugen kann man mit der richtigen Fütterung.

 

Zahnerkrankungen kommen auch bei kleinen Heimtieren wie Kaninchen und Meerschweinchen vor. Vorbeugen kann man mit der richtigen Fütterung. Im Gegensatz zu Menschen, Hunden und Katzen besitzen Kaninchen und Meerschweinchen keine richtigen Zahnwurzeln. Und: Ihre Zähne wachsen während ihres ganzen Lebens. Dies hat zur Folge, dass man als Besitzer darauf achten muss, dass den Tieren ständig genügend raues Futter zur Verfügung steht, damit sie die Zahnkronen abnutzen können.

Angeborene oder erworbene Zahnstellungsfehler sind bei Kleintieren häufig. Zu den angeborenen Skelettanomalien gehört unter anderem der Fehlbiss bei verkürztem Oberkiefer. Erworbene Zahnfehlstellungen treten oft als Folge mangelnder Abnutzung der Zähne auf. Diese hängt, wie bereits erwähnt, mit der Fütterung zusammen – oder wenn das Tier aufgrund von Schmerzen in seiner Kauaktivität eingeschränkt ist.

 

Zähne werden immer länger…

Was passiert, wenn ein Kaninchen oder Meerschweinchen nicht mehr richtig kauen kann? Die Zahnkrone verlängert sich zunehmend, was die Kaubewegung weiter behindert. Das Gebiss wird deformiert und es entstehen spitzige Kanten oder Stufen der Zähne, die die Schleimhäute der Mundhöhle und die Zunge verletzen können. Das Tier hat Probleme beim Greifen, Schneiden und Zermahlen von Futter. Werden die Backenzähne von Meerschweinchen zu wenig abgenutzt, wachsen sie immer weiter und treffen sich am Schluss in der Mitte («Brückenbildung»). Dabei wird die Zunge buchstäblich zwischen den Zähnen eingeklemmt. Gleichzeitig kommt es zu einer Verschiebung der Zahnposition. Die Situation verschlimmert sich, wenn die Zahnwurzel aus dem Kiefer ausbricht, was Schmerzen und Abszesse im Kieferbereich zur Folge haben kann.

 

…und machen das Fressen unmöglich

Ursachen für Zahnerkrankungen gibt es einige – das Alter ist nur eine davon. Auch die Haltungsbedingungen spielen eine wichtige Rolle. Verfügen die Nager über ausreichend Auslauf im Freien und dank Sonnenlicht über genügend Vitamin D? Ob genetische Fehlbildung, Mangel an Rohfutter, Schmerzen oder Stressfaktoren: Zähne werden weniger abgenutzt, überwachsen, deformieren sich und werden zu einer Behinderung, anstatt ihre Aufgabe als überlebenswichtige Beissinstrumente zu erfüllen. Betroffene Tiere können nicht mehr normal fressen und die Zähne werden noch krummer. Dies beeinträchtigt die Tiere bei der Futteraufnahme – ein Teufelskreis.

 

Symptome schwierig zu erkennen

Die unspezifische Symptomatik und der meist langsame Verlauf bei Zahnerkrankungen sind der Grund dafür, weshalb Tierbesitzer das sich anbahnende Problem häufig nicht rechtzeitig erkennen oder nicht mit den Zähnen in Zusammenhang bringen. Offensichtliche Symptome wie Schwellungen am Kiefer oder lange, schief abgenutzte Schneidezähne sind nicht zu übersehen. Allerdings ist die Erkrankung in diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschritten. Wie bei vielen anderen Krankheiten signalisieren die üblichen Symptome wie Apathie, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust, dass dem Tier unwohl ist. Hinzu kommen Bewegungsunlust, Berührungsempfindlichkeit, Aggression, Zittern, ein gekrümmter Rücken, Zähneknirschen oder leere Kaubewegungen.

 

Röntgenbild gibt Klarheit

Um die passende Therapie zu wählen, muss zuerst eine korrekte Diagnose erstellt werden. Diese wird durch eine klinische und radiologische Untersuchung erreicht. Die Röntgenuntersuchung ist vermutlich der wichtigste Teil der Diagnose bei Zahnerkrankungen, da sie das ganze Ausmass der in den Knochen verborgenen Probleme erkennen lässt. Gelegentlich stellt die CT-Untersuchung eine bessere Alternative zum dentalen Röntgen dar.

 

Futterumstellung nötig

Die beste Behandlung ist die Vorbeugung oder eine Intervention in einem frühen Stadium. Oft korrigiert eine Futterumstellung die beginnenden Probleme. Eine ausgewogene Ernährung für Kaninchen und Meerschweinchen besteht mehrheitlich aus frischem Heu und Gräsern wie Löwenzahn, Salat, Petersilie und Gemüse, zum Beispiel Fenchel, Brokkoli, Karotten.

Leider verlaufen bei Kaninchen und Meerschweinchen Zahnerkrankungen oft langsam steigernd. Ohne die entsprechenden Massnahmen gehen die schädlichen Entwicklungen ungebremst weiter. Falls das Tier erst spät beim Tierarzt vorgestellt wird, sind die Chancen auf eine Heilung meist geringer. Beginnende, unkomplizierte Zahnfehlstellungen erfordern – bei akzeptablem Allgemeinbefinden – häufig Zahnkorrekturen alle zwei bis drei Monate bis zum Lebensende. Die Behandlungen von Abszessen sind mit Kosten sowie Zeitaufwand für den Besitzer verbunden. Oft müssten die involvierten Zähne gezogen werden. Zuhause wird die Wunde täglich gepflegt und regelmässig vom Tierarzt kontrolliert, um einen erneuten Abszess zu vermeiden.

Die genannten Schritte sollten jedoch nur dann vorgenommen werden, wenn dieses Verfahren eine gewisse Aussicht auf Erfolg hat. In manchen Fällen ist die Krankheit bereits zu weit fortgeschritten und stellt für das Tier eine zu grosse Belastung dar. In dieser Situation ist die Euthanasie leider die einzige verbleibende Lösung.

 

Fazit

Auch Kleintiere wie Kaninchen und Meerschweinchen benötigen von ihrem Besitzer Zeit und Fürsorge. Wer seine Tiere regelmässig beobachtet und ihr Verhalten kennt, hat grössere Chancen, sich anbahnende Zahnprobleme rechtzeitig zu erkennen. Wichtig für diese Tiere sind neben geeignetem Futter und ausreichender Pflege eine stressfreie Umgebung. Ferner empfehlen wir eine regelmässige Gewichtskontrolle. Beim Verdacht auf Zahnprobleme lohnt es sich, umgehend den Tierarzt aufzusuchen. Je früher Zahnprobleme erkannt werden, desto grösser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.

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