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Franziska Meyer

Dr. med. vet.

Fachtierärztin FVH für Kleintiere

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Mops-Welpe «Milo» hat Durchfall und Fieber. Hat er sich mit dem Parvovirus angesteckt? Und wenn ja: Wie hoch ist seine Überlebens-Chance?

 

«Milo» ist ein neun Wochen alter Mops, der vor zwei Tagen bei seinen neuen Besitzern eingezogen ist. Während eines Ferienaufenthaltes in Spanien hat sich die Familie in den hübschen kleinen Rüden verliebt, ihn kurzerhand adoptiert und direkt in die Schweiz mitgenommen. Leider verlaufen die ersten Tage im neuen Zuhause nicht wie erhofft: «Milo» frisst kaum und leidet an Durchfall und Erbrechen. Weil er generell einen «schlappen» Eindruck macht, bringen ihn seine neuen Besitzer schliesslich in die Tierklinik.
Die klinische Untersuchung zeigt, dass «Milo» bereits viel Flüssigkeit verloren hat. Seine Herzfrequenz ist viel zu hoch und der Hund hat Fieber. Die behandelnde Tierärztin entscheidet sich, Blutuntersuchungen einzuleiten und «Milo» an den Tropf zu hängen. Das heisst, die fehlende Flüssigkeit wird ihm intravenös über einen Katheter zugeführt.
In «Milos» Blut ist zu sehen, dass die weissen Blutzellen, die so genannten Leukozyten, die vor allem der Abwehr von Infektionskrankheiten dienen, zu tief sind. Was kann das bedeuten? Entweder werden durch eine Infektionskrankheit zu viele dieser Leukozyten verbraucht, oder aber das Knochenmark kann nicht genügen neue Zellen produzieren. Es gilt, dies rasch möglichst herauszufinden. Der Bauch von «Milo» wird geröntgt, der Kot untersucht – und bald steht die Diagnose fest: «Milo» leidet an einer Parvovirus-Infektion.

 

Vor allem Jungtiere erkranken

Es sind vor allem Jungtiere, die an der Parvovirose erkranken. Die ersten Symptome treten zwischen fünf und zwölf Tagen nach der Infektion auf. Es handelt sich dabei um eine Schmierinfektion, die durch den Kontakt mit infiziertem Kot übertragen wird.
Obwohl die Krankheit in erster Linie mit blutigem Durchfall in Verbindung gebracht wird, zeigen die betroffenen Hunde häufig erst Apathie, Erbrechen und Appetitverlust. Nach ein bis zwei Tagen setzt dann der Durchfall ein, der oft anhaltend und vielfach auch blutig ist. Durch die starke Entzündung und den Durchfall gehen Proteine verloren, was sich durch eine Blutuntersuchung nachweisen lässt. Die Viren befallen vor allem jene Zellen, die sich schnell teilen – somit auch das Knochenmark, wodurch dieses nicht genügend weisse Blutzellen produzieren kann. Weil die körpereigene Abwehr dadurch geschwächt ist, erleiden diese Patienten oft sekundäre bakterielle Infektionen, die bis zur Blutvergiftung fortschreiten können.
Wird der Welpe bereits im Mutterleib oder während der ersten sechs Lebenswochen infiziert, kann es zu einer Herzmuskel- Entzündung kommen. Da die meisten Zuchthündinnen in der Schweiz geimpft werden, wird dieses Symptom der Parvovirose heutzutage aber kaum mehr gesehen.

 

Klarheit dank «SNAP»-Test

Wenn die Symptome auf eine Parvovirose-Erkrankung hindeuten, ist eine schnelle Antwort für den Tierarzt sehr wichtig. Aus diesem Grund wird zuerst meistens ein so genannter «SNAP»-Test durchgeführt, eine spezielle Untersuchung des Kots. Ist dieser Schnelltest positiv, steht die Diagnose fest. Ein negativer Test sollte bei starkem Verdacht wiederholt werden, da Patienten während der ersten 24 bis 48 Stunden nach den ersten Symptomen eventuell noch keine Viren im Kot ausscheiden. In der Zwischenzeit wird «Milo» mit Infusionen, Antibiotika und Medikamenten gegen die Übelkeit behandelt. Es gibt keinen Wirkstoff, der den Virus direkt abtöten kann. Vielmehr gilt es, die Symptome zu bekämpfen und zusätzliche Erkrankungen, vor allem bakterielle Infekte, zu verhindern. Dabei ist auf eine optimale Hygiene zu achten, damit der Erreger nicht verschleppt wird und weitere Tiere angesteckt werden.

 

Auch Katzen sind betroffen

Auf den Menschen wird das Virus nicht übertragen; Katzen hingegen können ebenfalls an Parvovirose erkranken. Die feline Parvovirose (auch feline Panleukopenie genannt), zeigt sich mit ähnlichen Symptomen wie die Erkrankung beim Hund. Das feline Parvovirus unterscheidet sich vom Erreger des Hundes, allerdings können Katzen auch durch den Hundevirus infiziert werden. Nach einigen Tagen intensiver Therapie hat sich «Milo» weitgehend erholt und er kann zu seiner Familie zurückkehren. Leider ist dies nicht bei allen an Parvovirose erkrankten Tieren der Fall. Unbehandelt sterben bis zu 90 Prozent der Patienten; durch eine rechtzeitig gestartete Therapie können hingegen 80 bis 95 Prozent erfolgreich behandelt werden.

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